LSBTI in Bremen

Die Lebenssituation von gleichgeschlechtlich orientierten Menschen in Deutschland hat sich in den letzten Jahrzehnten durch verschiedene rechtliche Maßnahmen und Veränderungen deutlich verbessert. So wurde 1994 der §175 StGB gestrichen, der homosexuelle Handlungen von Männer unter Strafen stellte und im August 2001 trat das Lebenspartnerschaftgesetz in Kraft, mit dem gleichgeschlechtliche Paare die Möglichkeit der rechtlichen Anerkennung ihrer Partnerschaft erhalten – wenn auch in deutlicher Abgrenzung zur heterosexuellen Ehe. Im August 2006 wurde das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz verabschiedet, das die Benachteiligung u.a. auf Grund der sexuellen Identität verhindern und im Arbeits- und Zivilrecht Anwendung finden soll.

Mehr zur rechtlichen Situation von LSBTI, insbesondere in Bremen, finden Sie hier. [Link]

Dennoch ist die rechtliche und gesellschaftliche Gleichstellung von Lesben, Schwulen, Bisexueller und Transgendern in Deutschland und in Bremen noch lange nicht erreicht!

Um ihre konkreten Lebenssituationen, Bedürfnisse, Probleme und Erfahrungen zu erfassen, hat der AK PLuS (damals noch unter dem Namen Landesarbeitskreis Lesben- und Schwulenpolitik Bremen) 2008 eine Umfrage unter Bremer Lesben und Schwulen gestartet. An dieser Umfrage haben sich insgesamt 1213 Menschen beteiligt, davon 49,1% Männer, 50,1% Frauen und 0,7% Transgender. Die folgenden Angaben beziehen sich auf die Ergebnisse dieser Studie, die hier als pdf- Dokument heruntergeladen werden kann. [Link]

Nutzung von Szene-Angeboten

Speziell an Lesben, Schwule, Bisexuellen und Transgender adressierte Szeneangebote werden von der Mehrheit der Befragten als sehr wichtig eingeschätzt. So nehmen fast 70% der befragten Frauen und ca. 60% der befragten Männer an lesbisch-schwulen Sport-, Kultur und Bildungsangeboten teil. Annähernd 90% der Frauen und mehr als 85% der Männer nutzen lesbisch-schwule Szeneangebote wie Kneipen, Cafés und Parties.

Gleichzeitig beklagen jedoch sehr viele, dass das Angebot in Bremen zu gering sei und mehr Bedarf bestehe.

Psychosoziale Angebote werden von mehr als einem Drittel der befragten lesbischen und bisexuellen Bremerinnen und ca. einem Viertel der schwulen/bisexuellen Bremern regelmäßig genutzt. Auch hier besteht offensichtlich ein beträchtlicher Bedarf.

Lebenssituation im Alter

Für Bremer Lesben, Schwule und Bisexuelle ist die Auseinandersetzung mit dem Thema Alter sehr wichtig – selbst in der Altersgruppe der Unter-25-Jährigen haben sich bereits über 70% mit dem Thema befasst.

Insgesamt schätzen sie ihre Situation im Alter pessimistisch ein. Insbesondere Einsamkeit und Isolation sind bedeutsame Themen im Zusammenhang mit Altwerden und Altsein. Die Mehrheit glaubt, dass sie im Alter nicht über ausreichende soziale Kontakte verfügen wird. Dies ist für schwule/bisexuelle Männer umso bedeutsamer, da sie erwarten, in ihren eigenen Zusammenhängen früh sozial zu altern. Zudem steht für die meisten Lesben und Schwulen im Alter in der Regel kein (herkunfts-)familiäres Unterstützungssystem mehr zur Verfügung. Ähnlich wie bei kinderlosen heterosexuellen Paaren erhält die Partnerin oder der Partner folglich einen hohen Stellenwert in der (Mit-)Versorgung. Wenn es im Alter keine Lebenspartnerschaft gibt oder es zum Verlust der Partnerin/des Partners kommt, ist das gravierend.

Für Lesben, Schwule und Bisexuelle werden daher freundschaftliche Beziehungen umso wichtiger. Besteht hier ebenfalls ein Defizit, ist das für die psychosoziale Situation äußerst bedenklich. Insbesondere da etwa die Hälfte aller Befragten angibt, dass sie davon ausgehen, dass mit zunehmenden Alter die Gelegenheit neue soziale Kontakte zu knüpfen abnimmt.

Hier besteht großer Handlungsbedarf – insbesondere für die lesbisch-schwule Selbsthilfe.

Wohnen im Alter

Die bestehenden Altenhilfeeinrichtungen in Bremen werden von den Befragten äußerst skeptisch beurteilt. Sie werden mit Blick auf die eigene Versorgung für ungeeignet gehalten und vermutlich gemieden, da Lesben, Schwule und Bisexuelle hier Benachteiligungen und Ausgrenzungen befürchten.

Für Politik, Verwaltung und Träger der Altenhilfe ergibt sich in diesem Bereich dringende Handlungsnotwendigkeit. Denn

Bremer Menschen mit gleichgeschlechtlichen Lebensentwurf möchten auch im Alter bzw. im Falle gesundheitlicher Einschränkungen weiterhin im Einklang mit der eigenen Biographie leben können. Sie wünschen sich eine uneingeschränkte Anerkennung ihres Lebensstils und die Akzeptanz ihres sozialen Umfeldes, ohne befürchten zu müssen, von Hilfsanbietern benachteiligt zu werden.

Es wird gewünscht, dass Altenhilfe- und Pflegeanbieter Lesben und Schwule explizit als KundInnen erkennen und ansprechen. Damit verknüpft sich die Hoffnung, dass dann in der ambulanten wie auch stationären Pflege und Betreuung geschultes Personal arbeitet, welches für den Umgang mit sexueller Vielfalt sensibilisiert ist.

Auch gleichgeschlechtlich orientierte BremerInnen möchten im Alter so lange wie möglich selbstbestimmt wohnen. Im Falle von stationärer Versorgung bevorzugen sie in der Tendenz eine heterogene Einrichtung bei voller Integration.